Oman begeht den 40. Nationalfeiertag
Erfolg durch Weitblick
Mittwoch, 17. November 20100

Sultan Qaboos hat allen Grund, am 18. November 2010 mit seinen Untertanen zu feiern; denn in nur 40 Jahren hat er sein Land mit viel Geschick vom Mittelalter in die Neuzeit geführt. Sein Vater hatte jeglichen Fortschritt und alles Moderne, sogar Sonnenbrillen, verboten. Heute gibt sich der Oman offen und blickt mit Zuversicht in die Zukunft – unter Wahrung der Traditionen. Die Weichen sind gestellt: man setzt auf sanften Tourismus und öffnet das Land für Investoren aus aller Welt.
Am 23. Juli 1970 hat "Super Q", wie die Omanis ihren Sultan Qaboos voller Respekt und Anerkennung nennen, von seinem Vater die Regierung eines der ärmsten Länder der Welt übernommen, das über keinerlei Infrastruktur verfügte: Es gab keine Straßen, man wohnte in Lehmhäusern, ernährte sich vom Fischfang bzw. von Ackerbau und Viehzucht, wo das möglich war, kannte keine höhere Bildung und war dem Schicksal ausgeliefert, wenn man krank wurde. Sultan Qaboos gelang es, das Land zu modernisieren. In jeder Dekade seiner Regierung sind weitere, entscheidende Fortschritte zu verzeichnen. Wer als Besucher Mitte der 1990er Jahre zum ersten Mal im Oman weilte, erreichte die damals zugänglichen Sehenswürdigkeiten in mühsamen Fahrten. Heute sorgen Schnellstraßen dafür, dass man viele Orte im Norden in Tagesausflügen von der Hauptstadt Muscat aus erreichen kann. Viele der jahrelang andauernden Restaurierungsarbeiten an über 400 Forts und Burgen sind abgeschlossen; es sind neue Schulen und Krankenhäuser, Moscheen und Museen entstanden, Geschäfts- und Bankenviertel, z. B. in Ruwi, einem Stadtteil der Hauptstadt, der sich immens entwickelt hat, Einrichtungen für Kunst und Kultur, wie eine Kunstgesellschaft, Kunstgalerien, Freizeit- und Vergnügungsparks, modernste Einkaufszentren, Wohngegenden in neuen Stadtvierteln, wertvolle Immobilienprojekte, Sportzentren. Die Sultan Qaboos Universität erfreut sich eines ausgezeichneten Rufs. Interessant ist die moderne arabische Architektur, die man sowohl im Regierungsviertel der Hauptstadt bewundern kann als auch an den prächtigen, schneeweißen Bauten der verschiedenen Ministerien entlang der 40 Kilometer langen, von Palmen und Blumen bestandenen Autobahn vom Flughafen Muscat in die Stadt oder in den neuen Wohnvierteln von Muscat, Nizwa oder Sur, um nur einige Beispiele zu nennen. Oman Air hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich das Flugnetz ausgebaut; seit einem Jahr gibt es eine direkte Verbindung mit Deutschland. Auch das Flugnetz innerhalb des Omans entspricht den Bedürfnissen von Einheimischen und Touristen, vor allen Dingen bei Flügen in die südliche Provinz Dhofar. Das Bemühen, Tradition und Fortschritt miteinander zu verbinden, ist deutlich spürbar – nicht nur in der Architektur.

"Wir sind uns bewusst, dass die Erdölvorräte, denen wir unseren Wohlstand verdanken, in absehbarer Zeit zur Neige gehen, wenn wir keine neuen, größeren Quellen entdecken. Daher müssen wir uns als vom Öl abhängiges Land auf diese Zeit vorbereiten und schon heute an die Zukunft denken. Oman öffnet sich mit Bedacht und Überlegung in Richtung einer zunehmenden Tourismus- und Investmentförderung", so verlautet es aus dem Informationsministerium in Muscat. Dafür gibt es einen strukturiert ausgearbeiteten Plan. In Sohar, der Stadt Sindbad des Seefahrers, wurde ein Hafen für Container- und Kreuzfahrtschiffe gebaut – dies ist ein zusätzlicher Hafen zu den Häfen von Muscat im Norden und Salalah im Süden. Die Freihandelszone "Gateway Sohar" mit Industriepark und neuem Fracht-Flughafen wird zu einer Special Economic Zone ausgebaut. Dies ist die vierte Freizone nach Salalah, Al Mazunah (an der Grenze zum Jemen) und Knowledge Oasis Muscat, wo sich deutsche Solarfirmen etablieren.
Das Land ist zuversichtlich, den Lebensstandard der Einwohner noch weiter verbessern zu können, ebenso wie die wirtschaftliche Situation. Dabei setzt man auf Bildung. Oman vertraut auf eine reiche Fischindustrie, Gasvorkommen und die traditionell guten Handelsbeziehungen zu Asien, Afrika, Europa und der arabischen Welt - in strategisch günstiger Lage. Lange wurde es geplant und im Sommer 2010 wurde bekannt, dass man für 12 Mio. Omani Rial ein neues National Museum bauen will – einen spektakulären Bau ganz in der Nähe des Al Alam Palasts in der Altstadt von Muscat. Weitere große Bauvorhaben sind der neue Bau der Majlis Ashura nahe dem Al Bustan Palace Hotel und ein großes Tagungs- und Messegelände in der Nähe des Flughafens.
Der meistbeschäftigte Minister während des Nationalfeiertags dürfte der Kulturminister sein. Wer die Feierlichkeiten miterleben will – geplant sind Aufführungen des Nationalen Symphonieorchesters und der nationalen Folkloregruppen in außergewöhnlichem Ambiente ein spektakuläres Feuerwerk, Pferdeparaden und eine in Licht und Klang gehüllte, festlich geschmückte Hauptstadt –, der sollte rechtzeitig seine Reise vorbereiten. Vielleicht wird die neue Royal Opera in Muscat zum Nationalfeiertag eröffnet. Eine Bestätigung für diese Vermutung war allerdings nicht zu bekommen.
Artikel and Fotos: Barbara Schumacher